Sportpolitische Bombe in Wien - WAT soll vom Verein für Mitglieder zum Verband für seine Vereine mutieren.
Verärgert und mehr als enttäuscht zeigt man sich bei der ASKÖ Wien über diese Vorgangsweise. Hier wurde unter Missachtung der Autonomie der Landesverbände von einem dazu nicht autorisierten Gremium versucht, einen mehr als problematischen Präzedenzfall im organisierten Vereinssport zu schaffen. "Diese Vorgangsweise ist mir in meiner gesamten politischen Laufbahn noch nicht untergekommen. Ein Verhalten dieser Art würde man wohl eher in Nordkorea und nicht innerhalb einer österreichischen Breitensportorganisation erwarten. Es entspricht nicht den Gepflogenheiten in unserer Gemeinschaft, solche Angelegenheiten nicht im Beisein aller Betroffenen zu diskutieren und dann zu einer Lösung zu kommen," meint Beate Schasching, Wiener Verbandspräsidentin.
Dass ein derart weitreichender Entschluss, völlig ohne Strategie im Hintergrund, nur um einem eigenständig und durchaus kritisch agierenden Landesverband zu schaden, geschaffen wird, erscheint allerdings unwahrscheinlich.
"Wenn das Ganze ziel- und planlos vom Zaun gebrochen wurde, nenne ich die Vorgangsweise verantwortungslos. Dieser Präzedenzfall ist dazu geeignet, das gesamte österreichische Sportförderwesen in Frage zu stellen. Wenn dahinter der Aufbau einer Versorgungsstelle für politische MitarbeiterInnen, die auch Funktionsträger im bisherigen Turnverein sind, steckt, dann hat das mit der gesellschaftlich notwendigen Förderung und Unterstützung der Sport- und Vereinsvielfalt aber schon gar nichts zu tun," distanziert sich Beate Schasching von den möglichen Hintergründen der Aktion.
"Wir empfinden diesen Akt des Eingriffs in Länderangelegenheiten als grobe Störung unserer Interessen, der wir selbstverständlich mit aller Kraft entgegentreten werden. Der Auftrag einer Bundesorganisation ist es, die Interessen der Länder zu vertreten", zeigt sich Schasching namens des Wiener Landesverbandes enttäuscht und auch verwundert. " Es ist die Frage zu stellen, was kommt als nächstes? In jedem Bundesland fünf neue Dachverbände und letztendlich die Auflösung des bisherigen Sportförderwesens?"
Wie vielfältig die Bedürfnisse der Sportvereine um ihrem gesellschaftlichen Auftrag nachzukommen sind, zeigt die Servicepalette des ASKÖ-Landesverbandes Wien auf. Diese reicht vom Vereinsbussen, Sportanlagenmanagement, über Materialien und Equipment für Veranstaltungen bis hin zum Rechts- und Steuerservice.
Wenn die WAT Vereine in Zukunft für ihre tägliche Arbeit ein Plus an Service erwarten dürfen, ist das aus ihrer Sicht sicher positiv. Jedenfalls ist die Rolle als Sportdachverband eine völlig andere als die eines Sportvereines - der Dachverband hat Vereine als Mitglied, der Verein Einzelpersonen als sportausübende Mitglieder.
"Für unsere Mitgliedsvereine wird sich durch die Umwandlung des WAT von einem Verein in einen Verband nichts ändern. Im Gegenteil, die Serviceleistungen werden um jenen Anteil prozentuell steigen, der nun an Kapazität frei wird," so ASKÖ-Wien Präsidentin Beate Schasching abschließend.