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Zwischen Gießkanne und Ehrenamt

Bereits mit der Änderung des Vereinsgesetzes 2002 durch die schwarz/blaue Regierung wurden die Weichen für weitreichende Veränderungen gelegt. Nachdem der blau, später orange, Teil der Regierung über keine historische Verankerung in den Dachverbänden verfügte, war es naheliegend auf die Idee zu kommen, zuerst einmal die Sinnhaftigkeit der Dachverbände in Frage zu stellen.
Als zweiter Schritt wurde in typisch österreichischer Manier eine Reform des Förderwesens angekündigt. 

Typisch österreichisch bedeutet für mich, dass - ohne jedem Fachwissen und ohne wissenschaftlich relevante Daten zu erheben - versucht wurde, ein neues System zu schaffen, das den als vermeintlich rot punzierten Sportverbänden (Dach und Fach) am meisten wegnehmen sollte, den regierungspartnernahen schwarzen zumindest nicht viel mehr lassen sollte und einem neu zu schaffenden, möglichst blau/orange freundlichen, Konstrukt Entfaltungsmöglichkeit bringen sollte.
Die Sportförderung nach sinnvollen Kriterien zu vergeben, dieses Ansinnen war ganz offensichtlich kein Teil dieses Planes.
Aber auch bei der Realisierung wurde der typisch österreichische Weg begangen. Mitten drin und durch viele Einflüsterer behindert, schlief diese Reform auf halbem Wege langsam aber sicher ein.
Geblieben sind drei, vier neue Gremien, die dem organisierten Vereinssport einen Teil seines Geldes entziehen, aber auch nicht mehr Qualität als bisher in den Sport gebracht haben. Über ein Berufssportgesetz wird nicht einmal mehr nachgedacht.
Und jetzt? Immerhin haben wir nun bereits seit ein paar Jahren eine rot geführte rot/schwarze Regierung.
Für den Sport hat sich bisher folgendes verändert: Die über 25 Jahre gelebte "Hostasch Regelung" wurde aufgehoben. Anzumerken ist, dass auch diese Regelung eine typisch österreichische war. Die gesetzliche Bedeckung diese Regelung war immer, na sagen wir, zumindest "umstritten" zu nennen. Bei Kontakten mit den Finanzämtern oder den Sozialversicherungsträgern waren Sportfunktionäre immer auf die "Gnade" der Beamtenschaft angewiesen. Mehrmals hatte der Landesverband hier die Gelegenheit, ehrenamtlich tätige Funktionäre bis hinauf zur Finanzprokuratur zu vertreten.

Erfunden wurde eine pauschalierte Reisekostenentschädigung, ideal für unterklassige Fußballvereine und absolut unpassend für fast alle anderen Sportarten. Letztendlich wurde die Diskussion so geführt, dass eine ganze Reihe ehrenamtlich engagierter Sportfunktionäre auf eine weitere Mitarbeit verzichteten.

Auch gegen den im Schulwesen systembedingten Bewegungsmangel wurde ein neues Gesetz gefunden. Die Freizeitpädagogen werden dieses Problem für Österreichs Jugend lösen. Bisher ausreichend qualifizierte Trainer und Lehrwarte aus dem organisierten Vereinssport wurden mit gleichem Gesetz und gegen unseren Rat aus den Turnsälen verbannt!?! Ignoriert wurde, dass nur Vereinstrainer Jugendlichen die Türen in die Vereine öffnen, die sie nicht nur im Sinne der Volksgesundheit auch nach dem Ende ihrer Schulzeit nutzen können.
1992 wurde die Bundesimmobiliengesellschaft gegründet. leider wurde im Rahmen dieser "Privatisierung" auf die Klärung einiger rechtliche Problemfelder wie z. B. "Grundsteuerbefreiung für gemeinnützige Sportvereine" vergessen. Dieser Umstand führte dazu, dass seitens der Finanzämter damit begonnen wurde, Grundsteuer vorzuschreiben. der Staat fordert also von vereinen eine zusätzliche Steuer dafür ein, dass sie in mit ehrenamtlichen und in der überwiegenden Zahl unbezahlten Funktionären ein Bewegungsangebot für die Gesellschaft anbieten. 19 Jahre später ist unser Landesverband leider gefordert, in einem Verfahren Rechtssicherheit herzustellen. Die bisher zu nennende Unterstützung der Bundespolitik und der BSO hält sich in Grenzen.
Alle genannten Beispiele haben eines gemeinsam. sie entstanden mit bestem Wissen der verantwortlichen. leider führen sie zu einer stetig sinkenden Zahl derer, die bereit sind, ehrenamtlich für die Gesellschaft tätig zu werden und damit auch zu einer deutlich spürbaren Reduktion der Sportvereinsangebote.
Gerade jetzt wird wieder von einer Änderung des Sportförderwesens gesprochen. ein Grund zur Freude?
 

Hier geht's zum Original-Artikel aus dem Jahr 2005 -> pdf Dokument (PDFGröße: 92.25 KB)

15.11.2011 14:01

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