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Opernball - Rollstuhlfahrer scheinbar unerwünscht

Zwei BesucherInnen des Opernball, eine davon ist Rollstuhlfahrerin, haben sich in einem offenen Bief an die Öffentlichkeit gewandt und ihre diskriminierenden Erlebnisse geschildert. Als Kommentar zu diesen unerfreulichen Ereignissen hat Beate Schasching als Präsidentin der ASKÖ Wien das nachstehende Schreiben an die Opernball-Organisation sowie an die Presse gesendet, der Brief der beiden Ballbesucher ist hier ebenfalls nachzulesen.

"Werte Verantwortliche für den Opernball,
lassen Sie neue Visitenkarten für Österreich und seinen Opernball drucken!
Als Präsidentin der ASKÖ-Wien, des größten Sportdachverbandes in Österreich, richte ich diese Zeilen nicht bloß an die Verantwortlichen für den symbolträchtigen Opernball. Die geschilderten Ereignisse gehen uns alle an.
Es mag sein, dass die Tradition des Opernballes schon länger zurückreicht als der Integrationsgedanke. Es mag sein, dass sich mit dem Glanz der Reichen und Schönen mehr Geld verdienen lässt, als mit etwas Mehraufwand für Barrierefreiheit. Es darf allerdings niemals soweit kommen, dass Menschen mit Behinderung in Österreich derartiges widerfährt wie im Bericht der beiden BesucherInnen im Rollstuhl geschildert wurde. Wenn der Opernball tatsächlich so etwas wie ein Aushängeschild unseres Landes sein soll, so schäme ich mich wie zweifellos viele andere für ein derart negatives Zeugnis.
Die ASKÖ-Wien veranstaltet zum mittlerweile sechsten Mal gemeinsam mit den beiden anderen Wiener Dachverbänden ASVÖ und Sportunion Wien den Ball des Sports in den Räumen des Wiener Rathauses. Der Blumenschmuck ist deutlich weniger, dafür ist es Selbstverständlichkeit, dass sämtliche Räume rollstuhlgerecht erreichbar sind. Die Fernsehkameras sind weniger, dafür ist es kein Problem, wenn im Rollstuhl getanzt wird. Die Prominenten sind weniger, dafür applaudieren sie, wenn als Highlight am Ball des Sports Rollstuhltanz in Kunstform als Showact gezeigt wird.
Auf die Visitenkarte, die den betroffenen beiden Ballbesuchern hier mitgegeben wurde, können wir verzichten. Lassen Sie symbolisch gesprochen neue drucken, entschuldigen sie sich, und zwar rasch!
Beate Schasching
Präsidentin der ASKÖ-Wien"

 

Waltraut Feinauer
Sennenfelderstr. 33
D-74249 Jagsthausen
17. Februar 2012
 
Offener Brief an
Wiener Staatsoper
Opernballbüro
Goethegasse 1
A 1010 Wien
 
Knr.: 1342213, Bestnr.: 110823/187004
Meine Erfahrung als Rollstuhlfahrerin beim gestrigen Opernball
Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr
traurig, enttäuscht, niedergeschlagen, empört, verletzt, diskriminiert und getäuscht, es ist kaum in Worte zu fassen, wie mein Mann und ich uns seit gestern Abend, kurz nach Eröffnung des Wiener Opernballs fühlen und auch jetzt, knapp 12 Stunden danach, diese Gefühle sich kaum verändert haben.
Wir glaubten nicht unseren Ohren trauen zu dürfen, als ein Bediensteter des Opernhauses uns mitteilte: "Rollstuhlfahrer dürfen sich beim Opernball ausschließlich am Rollstuhlplatz Galerie oder in der Galerie-Bar (…) aufhalten. (…) Alle übrigen Ballbereiche darf der Rollstuhlfahrer nicht befahren." Begründet sei dies mit dem besonderen Sicherheitsrisiko, das ein Rollstuhlfahrer habe bzw. darstelle.
Man/frau ist sprach- und fassungslos. Seit über 40 Jahren im Rollstuhl, seit über 20 Jahren als Tanzpaar auf allen möglichen Bällen und Tanzveranstaltungen unterwegs, trotz sehr wechselhafter sowohl integrativer als auch diskriminierender Erfahrungen letztendlich doch optimistisch, fasst man sich nach dieser Zurechtweisung an den Kopf und fragt sich, in welchem Land und in welchem Jahrhundert wir denn leben.
Nachdem wir im Juli letzten Jahres mit ausdrücklichem Hinweis auf Rollstuhlnutzung um Karten für den Opernball nachgefragt hatten, erhielten wir im August die Reservierungsbestätigung mit der Maßgabe die Bezahlung vorzunehmen. Vergangenen Montag holten wir die Karten im Opernballbüro ab, voller Vorfreude auf einen besonders schönen Ballabend und ausgiebiges Tanzvergnügen.
In all der Zeit wurden wir in keiner Weise über irgendwelche Besonderheiten bezüglich der Rollstuhlnutzung informiert. Zu einer Nachfrage sahen wir uns nicht veranlasst, da es mittlerweile viele Veranstaltungen gibt, bei denen es erfreulicherweise überhaupt keine Rolle spielt, ob man/frau Rollstuhlfahrer/in ist oder Fußgänger und wir dies gerade von einer so internationalen renommierten Veranstaltung wie dem Wiener Opernball glaubten erwarten zu dürfen.
Umso größer der Schock und die Enttäuschung, als uns "klargemacht" wurde, daß all dies nicht passieren darf: kein Tanzvergnügen, kein Flanieren, keine netten Kontakte und Gespräche (welcher Nichtbehinderter verirrt sich schon freiwillig auf einen Galerieplatz, wenn er/sie am Ballgeschehen teilnehmen will und kann!).
Hätten wir dies im Vorhinein gewusst, hätten wir nie und nimmer einen Besuch des Wiener Opernballs auch nur in Erwägung gezogen. Wir hätten keine Reise nach Wien geplant und organisiert und - vor Allem - es hätte sich keine "falsche" Vorfreude entwickelt, die so maßlos hätte enttäuscht werden können, wie uns dies gestern Abend passiert ist.
Auf Nachfrage an der Abendkasse, warum uns nicht schon bei unserer Kartenanfrage im August letzten Jahres diese besonderen Bestimmungen bekannt gemacht worden waren, ernteten wir nur Schulterzucken und peinlich berührende Beileidsbeteuerungen, angeblich sei die Information über unser "Merkmal Rollstuhl" nicht weitergegeben worden.
Dem Ganzen eine Krone aufgesetzt - wenn das überhaupt noch möglich ist - hat dann die Information, daß es, trotz der überaus eingeschränkten Teilhabemöglichkeiten und geschweige denn eines Genusses, für Rollstuhlfahrer keine wie auch immer geartete preisliche Anpassung gebe. Beim Eintrittsgeld sind noch alle gleich, nur bei der Behandlung als Gast tun sich dann Welten auf - oder werden rücksichtslos verschlossen. Mit Argusaugen verfolgt das Personal jeden Schritt - pardon, jede Radbewegung - und muss "immer informiert sein" wo "der Rollstuhl"(!) sich befindet und sich nicht in eine "no-go-area" bewegt.
Wir fühlen uns in äußerstem Maß diskriminiert und getäuscht. Selten hat sich in meiner "Karriere" als behinderter Mensch das Gefühl von als Aussätziger behandelt zu werden eingestellt, gestern Abend war es wieder da.
Wir erwarten Ihre Stellungnahme.
Waltraut Feinauer
Sebastian Hettenkofer
 

20.02.2012 15:12

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